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Was ist Bonsai?

Kleine Bäume sind faszinierend, besonders wenn sie aussehen wie große.

Bonsai sind das perfekte, harmonische Abbild eines Baumes aus der Natur, der allein stehend oder in Gruppen, auf dem Feld mit massiger Krone oder im Hochgebirge in einer kleinen Felsspalte, ob vom Wind zur Seite gedrückt oder vom Sturm beschädigt, dennoch sein Leben lebt und durchhält.

Bei dem Anblick eines guten Bonsai kann sich kaum jemand der fast persönlichen Ansprache durch den Baum selbst entziehen.


Alter Wacholder

Man assoziiert unwillkürlich Alter und Würde, ein langes Leben mit vielen überlebten Schwierigkeiten durch Klima und andere Umstände und den unbedingten Willen zum Weiterleben in Schönheit. Hier bedeutet Alter nicht Verfall, sondern Reife und Würde.

Viel ist schon über die Ästhetik von Bonsai geschrieben worden, zahlreiche gescheite Menschen haben versucht, dem Grund für diese Faszination auf die Spur zu kommen. Natur und Kunst bilden in guten Bonsai eine unwiderstehliche Symbiose, gleichzeitig wird eine innere Sehnsucht nach Harmonie im Betrachter angesprochen. Das eigentliche Phänomen der Faszination kann immer nur ansatzweise erklärt werden, weil es ein Gefühl ist und tief in uns Menschen „verwurzelt“.

Doch gibt es auch einige Menschen, die in der Bonsai-Gestaltung eher etwas Abstoßendes sehen. Sie glauben, dass die Bäume leiden, dass sie verkrüppelt werden. Hier lohnt es aber, etwas genauer hinzuschauen:

Natürlich werden Bonsai mit bestimmten Methoden künstlich gealtert und wer einmal einem Gestalter zugesehen hat, wie er bei einer Demonstration aus einem großen Busch einen winzigen Bonsai macht, dem schaudert vielleicht.

Andererseits geht es gesunden Bonsai besser als – zum Beispiel – vielen unserer Straßenbäume. Diese dürfen zwar versuchen, groß zu werden, ihnen werden aber für den freien Straßenverkehr ständig alle unteren Äste abgesägt und sie haben vor allem im Winter erheblich unter dem Streusalz zu leiden, das wir für unsere Bequemlichkeit und Sicherheit ihnen andauernd, auch vorsorglich, bevor es friert, auf die Füße schütten. Vertrocknete Blattränder, Salzschäden an den Blättern, geschädigte und verbrannte Wurzeln, verdichtete, sauerstoffarme Erde: all dieses wird man bei einem sorgfältig gepflegten Baum eines Bonsaifreundes nicht finden. Um Bonsai zu betreuen muss man sich schon ein wenig mit Pflanzen beschäftigen, ihre Lebensweisen und Besonderheiten kennen lernen und bei der Pflege berücksichtigen. Sie danken es mit Gesundheit und Lebenskraft. Ein Bonsai ist kein Kümmerling. Sonst könnte er in der Schale nicht überleben, denn wir sind für seine Gesundheit zuständig. Und so kann er hunderte von Jahren alt werden, viel älter als unsere geplagten Straßenbäume.

Aber mal abgesehen davon, kann die manuelle Beschäftigung mit eigenen Bonsai zu einem Ruhepunkt werden, der dringend benötigte Regeneration vom Alltagsleben schenkt. Wer sich mit der Pflege und Verfeinerung von kleinen Bäumen befasst, muss sich allein darauf konzentrieren und darf Alltagssorgen für diesen Moment beiseite rücken.